Franz Dobler - THE BEAST IN ME |
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Musikerbiographien sind meist Liebeserklärungen an den beschriebenen Musiker - das ist bei "THE BEAST IN ME" nicht anders.
Für die, die Country hassen, weil er aus den Staaten kommt ist das Buch nicht geeignet. Eben so wenig wie Cash selbst.
In den 60er Jahren gab es in Deutschland eine Country-Schlager-Welle zum Mitklatschen. Udo Jürgens mit: `Komm, leg die Knarre weg` (nach Cashs Nr. 1 Hit `Don`t Take Your Guns To Town`) war wohl die Spitze, der Rest wollte `nen Cowboy als Mann. In den 70ern kamen Truckstop und schraubten ihren Karneval_Country derart in die Köpfe, dass diese Spielart bis heute das Bild von Country beherrscht - in Deutschland. Das Gerücht, Country wäre der Schlager der Amerikaner (oder so etwas wie Volksmusik) , hält sich sogar noch besser als das von Cashs Indianerabstammung. Das Erträglichste in diesem Musikcountrystadl sind Bands, die einfach nur Klassiker covern, ohne ein deutsches Wort. Da ist man schon dankbar.
Für diejenigen aber, die über Country im Allgemeinen und über John R. Cash im Besonderen mehr erfahren wollen als hier zu lande üblich ist bietet das Buch einiges. Im Gegensatz zu vielen anderen Biographen kommt Dobler ohne eine Aneinanderreihung von Plattentiteln und deren Verkaufszahlen aus, bietet dafür aber in insgesamt sieben Kapiteln einen Einblick in die Verschränkung gesellschaftlicher Bedingungen und Entwicklungen mit der musikalischen Genese Cashs. Dessen Leben und Interpretation von Country beschreiben nicht weniger als das Glücksversprechen des aufgeklärten Staates USA wie auch die notwendige, aus innerem Zwang sich speisende, Wiederkehr ihres Scheiterns und die daraus resultierenden Erniedrigungen menschlichen Zusammenlebens. "Seine Vorfahren lebten in Schottland, ihr Name wurde Caesche geschrieben. Auf ihrem Wappen stand Better Times will come. Der erste Cash, der sich auf dem Kontinent, den Kolumbus entdeckt zu haben glaubte, niederließ in der Hoffnung auf bessere Zeiten, hatte als Kapitän mit seinem Schiff Pilger über den Atlantik gesegelt. 1667 blieb er in Massachusetts. Seine Nachfahren wanderten immer weiter nach Süden. Cashs Urgroßvater kämpfte im Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 für die Konföderierten. Als er und seine Familie nach Kriegsende nur noch ihre nackten Leben hatten, zogen sie westwärts und ließen sich in Arkansas am Mississippi nieder. Dort wurde John R. Cash am 26. Februar 1932 in Kingsland geboren. Das R. stand für keinen Namen." "Better times will come". Treffender kann Hoffnung nicht beschrieben werden. Breiten Raum nimmt Cashs ambivalentes Verhältnis zum Nashville Country Establishment ein. Er unterschrieb nach seinem Weggang von Sun Records, dem (zurecht) selbst ernannten "Bithplace of Rock n Roll", wo er Zugang fand zu afro-amerikanisch geprägter Musik wie Spirituals, Blues, Ragtime, Jazz und Rhythm`n`Blues, einen Vertrag beim Musikmulti Columbia. Dort blieb er 28 Jahre. Anfang der 90er zeichneten Cash und Rick Rubin einen Kontrakt mit Rubin, der mit der "Entdeckung" der Beasty Boys für Furore gesorgt hatte, aber im Country alles andere als eine Größe war, verwirklichte mit Cash einige Projekte für die Columbia nicht zu haben war. Sein endgültiger Abschiedsgruß ans Country-Establishment bestand aus einer Anzeige, die er zusammen mit American Recordings für 20 000 Dollar im Branchenblatt "Billboard Magazine" schaltete: Links oben stand folgender Text:"American Recordings and Johnny Cash would like to acknowledge the Nashville music establishment and country radio for your support". Das Bild zeigte Cash mit ausgestrecktem Mittelfinger. Und um euch "THE BEAST IN ME" schmackhaft zu machen abschließend noch ein Zitat: "Die Kleinstadt ist bekannt, weil hier Adolf Hitler nach seinem missglückten Putschversuch vom 9. November 1923 neun Monate in einem etwas strenger geführten Hotel verbracht (was offiziell Festungshaft genannt wurde) und Rudolf Heß den ersten Band von diktiert hatte. Der Gefängnisdirektor berichtete der Münchner Staatsanwaltschaft von einem Österreicher mit deutschen Tugenden, ... Das US-Militärgericht hatte aus diesen Fehlern gelernt: Am 7. Juni 1951, einem Monat vor Cashs Ankunft in Landsberg, wurden einige Kriegsverbrecher final entnazifiziert.. ... In der Stadt demonstrierten Deutsche gegen die Vollstreckung: Zum Zeichen von Protest und Solidarität stiegen Wirtschaftsgrößen, die schon während der barbarischen Zeit ihre Führungsqualitäten bewiesen hatten, im besten Hotel der Stadt ab. In der Bar des Hotel Goggl spielte bald darauf gelegentlich eine Combo, zu der der beste Funkabhörspezialist am Ort gehörte. Weil sie einen Sinn für rauen Humor hatten und Spaß an Schlägereien mit jungen deutschen Männern und auch musikalisches Einschätzungsvermögen, nannten sie sich The Landsberg Barbarians." |
ISBN3-88897-302-3 |