| Kritik
und Krise |
| „Wahrheit ist objektiv, nicht plausibel“: Dies Diktum
Theodor W. Adornos scheint der tatsächliche Grund zu sein, warum
weder die offizielle bürgerliche Gesellschaft noch ihr linker,
insbesondere nicht ihr universitärer Begleitservice mit der Kritischen
Theorie sonderlich viel anfangen mögen. Daß das Denken in
der Interpretation des Vorfindlichen zu gründen habe, daß
das Denken es daher auch nicht weiter bringen kann als bis zur Meinung,
und, wenn’s gut geht oder die Staatsmacht dahintersteht, zum Konsens
und zum Einverstandensein, gilt allseits als abgemacht. So massiv ist
der „Schein der Tatsachen“ (Marx) geworden, daß seine
gesellschaftliche Konstitution als unerreichbar gilt und schon der Anspruch
darauf als autoritärer Dogmatismus. Das Ergebnis ist danach: wo
Vernunft, deren Thema nur eben die Konstitution des Gesellschaftlichen
sein kann, auf bloßen Verstand reduziert wird, da macht sich die
Bauernschläue von Intellektuellen breit, die ihr Denkprodukt mit
erlesener Raffinesse am Markt zu behaupten wissen. Die Widersprüche,
gar: die Antinomien, in die sie verfallen, kümmern nicht weiter:
eben dies ist ja der Sinn von Ideologie als der Rationalisierung des
Widersinnigen. Der Marxsche Begriff der Kritik dagegen gründet
in der ungeschmälerten Erfahrung des logischen Widerspruchs und
im Vertrauen auf die Objektivitätsmächtigkeit des Denkvermögens,
d.h. in subjektiver Vernunft, die ihre bloße Subjektivität
keinesfalls als Vorwand nimmt, sich zu relativieren. Denn der Begriff
von Wahrheit, den diese Kritik nur haben kann, ist in der notwendigen
Krise, im Untergang und im Zusammenbruch des Kapitalverhältnisses
als einer unmöglichen Vergesellschaftungsweise angelegt: indem
die Kritik die Krise kategorial antizipiert und in jeder ihrer Aktionen
polemisch ausdrückt, kommt ihr ihre eigene Objektivität entgegen. |
| Mo.,
7.4.2008, 20.00 Uhr, Havanna Duisburg, Musfeldstr. 26, Nähe Dellplatz,
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