| "Sie
gelten als die Linksaußen in der deutschen Kabarettszene."-
Woran erkennt man das? Sie fordern von ihren Zuhörern die Nutzung
eines Organs, das aus der Mode gekommen ist, seit wir alle nicht mehr
"klüger als der Markt" sein und selbst die Studenten
nur noch lernen statt denken sollen: "Wer beiden folgen möchte,
der muss nicht nur die Ohren spitzen, sondern auch das Gehirn einschalten."
Das kann, wenn lange unbenutzt, zu Reibung und Qualm führen - "einem
Teil des Publikums rauchte zur Pause schon der Kopf." Aber dann
findet man sich: "Galgenhumor nennt man das wohl, was auch beim
Publikum vergnügte Bitterheit oder bitteres Vergnügen bewirkt."
Selbiges wird erzielt mit "einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen
Technik: Original-Töne werden mittels Zwischenbemerkungen zur Kenntlichkeit
entstellt." Daraus entsteht "ein erzählerisches Meisterstück,
eine in Benjaminscher Erzählweise verdichtete Schlagzeilen - Berichterstattung."
Manchmal fühlen sie sich von den Rezensenten richtig gut verstanden:
"Das ist der verzweifelte Witz, der aus der Position der Ohmacht
entsteht und doch nie ohne tief empfundene Solidarität daherkommt."
Manche Rezensenten sind ihrerseits erleichtert, dass besagter Witz ein
ohnmächtiger ist. Sie sind "froh, dass die beiden bärbeißigen
Linken ihre Verachtung des politischen Pragmatismus nur auf harmlosem
Papier austoben und keine Politik mehr gestalten." Versprochen
ist ein Mix aus alter und neuer Verachtung des Pragmatismus.
Einige Anmerkungen zu den Stücken:
In dem aktuellen Stück: „Der Dax in der Hypothekenkrise“
(Trampert) geht es um wichtige Anlagetipps (in den USA sind Immobilien
günstig zu haben) und um die Frage: Braucht der Mensch, der vom
Humankapital zum kompletten Kapital mutiert, nicht hin und wieder etwas
Lebendiges wie den Dax, der freundlich ist, nachgibt, sich erholt...
? Nicht minder aktuell ist die Frage, was die Fußballweltmeisterschaft
in Deutschland damit zu tun hat, dass der Dirigent des Deutschen Synfonieorchesters
am 3.Oktober die Kantate „Von deutscher Seele“ des Nazi-Komponisten
Hans Pfitzner aufführen musste (Ebermann).
In der Rubrik „Erkenne dich selbst und tu was für dich“
begründen beide, dass sie sich, was ihre beruflichen Perspektiven
angeht, der „Digitalen Boheme“ (Ebermann) anschließen.
Warum? Wer Websoftware (das neue Lotto der digitalen Boheme) schreibt,
dem stehen alle Quellen des Sponsoring, Product Placement und Eventmarketing
offen. In dem Stück „Hypnotische Reinkarnationstherapie“
(Trampert) wird dann gezeigt, dass jeder Mensch schon viele Wiedergeburten
hinter sich hat, und, dass traumatische Erlebnisse aus früheren
Leben, ob im alten Rom oder in einem Stall in Bethlehem, per Reinkarnationstherapie
leichter zu heilen sind als per Psychoanalyse.
Im Programmteil „Wissenschaft leicht gemacht“ wird der neueste
Stand der „modernen Gehirnforschung“ (Trampert) vorgestellt,
weil jeder wissen sollte, dass er keinen eigenen Willen hat, sondern
von Schaltkreisen und Neuronen gesteuert wird, für die er nichts
kann. Es wird ein Zwischenbericht sein, weil noch offen ist, warum die
Neuronen sich im Nationalsozialismus gerade so und nicht anders entschieden
haben. Außerdem geht es um die neuen „Elite-Unis“
(Ebermann). Dass wir sie brauchen, steht ausser Frage, offen ist aber,
was semiotisch reine, prädiskursive Wege durch das architektonische
Rauschen, die frei sein müssten vom Unterholz der Sinnlichkeit
, damit zu tun haben, dass der Versuch des Verstehens ein stolpernder
und potentiell irrender ist.
Im Bereich „Politik, Geschichte und Kultur“ wird mit „Joschka
Fischer“ (Trampert) darüber gesprochen, warum er erst jetzt,
in seinem 29. Buch, offenbart, dass er schon immer unter seiner Hochbegabung
gelitten hat, und dass Gerhard Schröder eine Niete ist. Zur Aufarbeitung
der Geschichte gehört, dass man nicht nur die Taten von Franz Josef
Strauss, dem alten Fritz, Fürst Bismarck, Otto Lilienthal, Dutch
Schultz, Ceausescu, Konfuzius oder Mutter Teresa kennt, sondern endlich
auch ihre „letzten Worte“ (Ebermann) würdigt, die sie
hauchten, bevor sie die Augen für immer schlossen.
Supermodern wird das Programm bei der Frage, ob Rapper „Eminem“
(Trampert), Bushido, acht Einschüsse (nur für die Authentizität)
und die Suche nach der Wiederkehr der verlorenen Pubertät im Kampf
gegen das neue Selbstverständnis der Frauen helfen können.
Weitere Fragen sind: Mit welchem Trick will „Benedikt“ (Trampert)
den dramatischen Niedergang der Katholischen Kirche in Brasilien und
Österreich stoppe? Nach welcher Regel ist das Spiel fortzusetzen,
wenn eine Krähe mit dem Golfball im Schnabel seitwärts in
den Wald geflogen ist? (Ebermann) Wer hilft Lotto_Millionären bei
der Flucht vor ihren Verwandten und weniger nahe stehenden Schatzsuchern?
(Trampert)
Rainer Trampert und Thomas Ebermann leben als freie Publizisten in
Hamburg als Autoren u.a. für KONKRET und Jungle World
Zuletzt gastierten sie mit ihrem Kabarettprogramm „Zu Gast bei
Freunden“ 2006 in Duisburg
Als Buchtitel erschienen: Die Offenbarung der Propheten (1996) Verpasst
Deutschland den Anschluss? (2000) Sachzwang & Gemüt (2002)
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bildungswerk der humanistischen
Union Essen |