Ingo Elbe (Arbeitskreis rote ruhr – uni, Bochum)
Apokalyptischer oder 'offener' Marxismus?
Zwei missglückte Varianten nachmarxscher Revolutionstheorie

Eine neue Marx-Lektüre, die in den späten 1960er Jahren einsetzte, hat nicht nur dazu beigetragen, das Marxsche Programm einer radikalen Kritik kapitalistischer Reichtums- und Zwangsformen gegen einen zur Legitimationswissenschaft verkommenen Marxismus geltend zu machen. Die Texte der neuen Marx-Lektüre kreisen auch seit Mitte der 70er Jahre um die Frage, ob es in der Kritik der politischen Ökonomie Erklärungspotentiale für das Ausbleiben der kommunistischen Revolution gibt, die sich gegen den erfahrungsunfähigen marxistisch-leninistischen Triumphalismus und 'Durchhalteparolenoptimismus' (Pohrt) wenden lassen.
Die Marxsche Ökonomiekritik und Fetischtheorie soll endlich als Erklärung für die Stabilität der bürgerlichen Gesellschaft, bzw. ihr Abgleiten in die Barbarei ernstgenommen werden. Dabei sind vor allem zwei Theoriestränge auszumachen, die aus dieser Aufgabenstellung geradezu entgegengesetzte Schlussfolgerungen ziehen: Der eine Strang baut seine Marx-Rekonstruktion zu einer fundamentalen Krisendiagnose der Revolutionstheorie aus. Stichworte sind dabei die 'Zerstörung des Gebrauchswerts’, die 'schlechte Identität von kapitalistischer Form und stofflichem Inhalt’ oder die 'Eindimensionalität der spätkapitalistischen Gesellschaft’, die eine Revolution als unmöglich erscheinen lassen. In Abgrenzung zu diesen vermeintlich hermetischen Lesarten der Kritik der politischen Ökonomie mit ihrem Konzept eines 'starren Fetischismus’ (Holloway), beansprucht eine zweite Position als 'offener’ Marxismus die Öffnung Marxscher Kategorien für die Konzepte 'Praxis’, 'Kampf’ und 'Widerspruch’.
Der Vortrag soll am Beispiel der Positionen von Wolfgang Pohrt und John Holloway diese beiden Varianten einer sich auf Marx beziehenden Revolutionstheorie diskutieren und zeigen, dass sowohl die Hermetik jener als auch die Offenheit dieser bloß erschlichen sind.

Veranstaltet von: Antifa 3D, Humanistische Union Essen

Mi. 22.3.2006, 20.00 Uhr, HundertMeister Duisburg, Eintritt frei