Michel Foucault und der Iran
 
Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich (KONKRET-Autor)

Als wolle er das Vorurteil Kritischer Theorie bestätigen, dem zufolge  Homosexuelle einen Hang zum Totalitären haben und zum Aufgehen in der  Identität der Gleichen, zeigte sich Michel Foucault 1978 von der  islamischen Revolution im Iran begeistert. Wissend, daß der  viermonatigen Herrschaft des Mobs, die der Revolution folgte, schon sehr  früh sexuelle Abweichler zum Opfer fielen, konnte er sich seiner  Faszination für die „spirituelle Energie“, die er in den Straßen  Teherans zu verspüren meinte, nicht entziehen. Immerhin verstummte  Foucault, als die Schwulenhatz in Gesetzesrang erhoben wurde, aber sein  Begriff von der Entstehung der Homosexualität als eine der Maßnahmen der  „Macht”, ihre Moral anhand einer medizinalisierten Zuschreibung zu  inkorporieren, und seine Wende zu einer anderen Form der  Selbstabschaffung – nämlich der Idealisierung der antiken Homosexualität 
– sprechen nur allzu deutlich für die Sehnsucht nach autoritärer  Absicherung des eigenen Begehrens. Freiheit ist eine Last, Unterdrückung  ist die Befreiung von dieser: so exemplifizierte Foucault seine  Philosophie an sich selbst. Doch mehr noch wurden Foucaults Reportagen  aus der "Islamischen Republik" die Grundlage für das bis heute  andauernde europäische Appeasement mit dem Islam-Faschismus, wie es sich  zum Beispiel nach der öffentlichen Hinrichtung zweier schwuler Teenager  2004 vom schwulen Weblog bis zur Bildzeitung äußerte.
 
Es spricht Tjark Kunstreich, Publizist, Berlin.


Veranstalter:
Antifa 3D, Bildungswerk der Humanistischen Union Essen

Mo., 16.10.2006, 20.00 Uhr, HundertMeister Duisburg, Dellplatz 16a, Eintritt frei