Seitdem die Deutschen links geworden sind, also mit der Ära Rot-Grün,
lebt es sich ganz ungeniert: Wer wollte bei soviel Einsatz für Menschenrechte,
Demokratie und Toleranz noch daran zweifeln, dass die Deutschen ihre Vergangenheit
nicht nur in einzigartiger Weise bewältigt haben, sondern, getreu
dem Imperativ Adornos, auch noch nach der Maxime handeln, die Wiederholung
von Auschwitz zu verhindern? Im Kosovo haben sie den "Serben-Hitler"
Milosevic mit seinen in Fußballstadien eingerichteten "Konzentrationslagern"
gestoppt, im Irak haben sie sich dem "Genozid" der USA in den
Weg gestellt und innenpolitisch sind sie darauf bedacht, der Islamophobie,
die angeblich ein neuer Antisemitismus sei, durch einen "Dialog der
Kulturen" entgegenzutreten.
So in etwa lässt sich das neue deutsche Selbstbewusstsein, das auf
der vollständigen Verkennung des Charakters des Nationalsozialismus
beruht, einigermaßen treffend auf den Punkt bringen. Es dürfte
einleuchten, dass ein so beschaffenes Nationalgefühl, welches die
Kontinuität der deutschen Ideologie, die zu Auschwitz führte,
leugnet, auch eine neue Begleitmusik erfordert. Wer möchte sich schon
die soziale Wärme im modernen Kollektiv durch den muffigen Sound
der Bonner Republik madig machen lassen? Deshalb bringt das neue, antifaschistische,
antirassistische und antinationale Deutschland eine Unzahl an Pop-Bands
hervor, die nur allzu gerne die Speerspitze dieser geläuterten Republik
verkörpern wollen und deshalb die neue Leitkultur in grenzenlosem
Ausmaß verinnerlichen. Was heute deutsch ist, das lässt sich
an den Deutsch-Pop-Bands mühelos zeigen.
So scheinbar unterschiedlich die Bands in Hinsicht auf ihren Musikstil
oder ihre politischen Äußerungen ausfallen, sie alle kommen
nicht umhin, sich positiv auf ihren Standort zu beziehen. Während
die einen, etwa die viel gescholtene Berliner Elektro-Pop Band "Mia",
dabei ganz offen zu ihrem "Friedenskanzler" stehen, betreiben
die anderen, die gesamte linke Subkultur, eine Spiegelfechterei, indem
sie vorgeben, kritisch zu sein und doch nur konformistisch agieren. Gerade
die Gegner von Radio-Quote und "Renationalisierung des Pop",
wie etwa das allseits wohlgelittene Samplerprojekt "I can´t
relax in Deutschland", sind recht erfolgreich dabei, ein neues Marktsegment
zu kreieren, welches in vermeintlich deutschland-kritischer Attitüde
der antideutschen Sache einen Bärendienst erweist und stattdessen
neue Absatzmöglichkeiten für sogenannte "Polit-Bands"
auslotet.
Philipp Lenhard, Redakteur der Prodomo – Zeitschrift in eigener
Sache, erläutert, welche Rolle die Subkulturindustrie bei der Kreation
einer frischen und unverbrauchten deutschen Identität spielt.
Veranstaltet von:
Antifa 3D, Hannah Arendt Bildungswerk Essen
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