Nach dem Zionismus?
Die israelische Linke - Kronzeuge des Antizionismus?


Unter deutschen Linken findet sich kaum einer, der seinen Haß auf Israel nicht unter Berufung auf die israelische Linke, sei sie nun offen antizionistischer oder diskret postzionistischer Couleur, zu rechtfertigen und tatsächlich zu bemänteln wüßte. Die Veredelung des Antizionismus zum Engagement für nichts als Menschenrechte - gerade in Deutschland seit Hitler die politische Darreichungsform des Antisemitismus - scheint gelungen, wenn Uri Avnery, Felicia Langer, Michael Warschawski, Mosche Zuckermann, Mosche Zimmermann, Jakob Taut, Shraga Elam und ihre Claque ins Feld geführt werden können: Sie sagen es doch selbst, freut sich die deutsche Linke, daß Israel rassistisch, völkisch, militaristisch sei, und der Zionismus überhaupt sei die Ideologie zur Praxis von Kolonisatoren. Aber es stimmt und stimmt doch zugleich nicht, wenn sich die deutsche Linke in der israelischen wiedererkennen will, um ihrem verschrobenen Internationalismus ("Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker") zur glaubhaft zu machen. Es stimmt: denn diese israelische Linke ist ein ebenso materialismusvergessener Verein wie sie selbst, eben das, was der Marx des "Kommunistischen Manifests" als den "wahren Sozialismus" denunzierte, ein Tatbestand, der zur Sprache kommt, wenn etwa Zuckermann von der "Umstrukturierung der Gesellschaft" spricht, ganz so, als sei diese ein Lego-Baukasten aus dem Hause Habermas. Und es stimmt zugleich nicht: denn diese israelische Linke weiß sehr genau, worin die auch für sie unverzichtbare Garantie des Zionismus liegt: als einer Lebensversicherung gegen den Antisemitismus oder, wie Theodor Herzl im September 1900 schrieb, als "einer wechselseitigen jüdischen Nothfallversicherung" nach "Analogie des Unfallversicherungswesens". Das Problem ist nur, daß die israelische Linke der Staatlichkeit Israels mit lupenreinem Sozialdemokratismus zu Leibe rückt. Der Staat Israel, so heißt es von Avnery bis Zuckermann, habe kein "jüdischer Staat" zu sein, sondern ein "Staat aller seiner Bürger", also wahrhaft demokratisch: Alle Macht soll, wie hierzulande, vom Volke ausgehen: Das versteht man gut in Deutschland: daß "wir" der Staat sind und der Souverän; das ist seit Ferdinand Lassalle und bis Adolf Hitler das Dogma schlechthin des gesunden Menschenverstandes. Es ist die sozialdemokratische Staatsillusion, die die israelische Linke in einem die Staatlichkeit Israels verkennen läßt wie sie zugleich die deutschen Israel-Hasser zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Referent: Jochen Bruhn, ISF Freiburg Mo.