Scheuklappen auf und los!
eine exemplarische Antwort auf Helmut Loeven

Da hat sich jemand viel Mühe gemacht. Das sollte gewürdigt werden. Es wird auch, da muss sich Helmut Loeven keine Sorgen machen, keinen "Trabbel" geben. Sondern lediglich einige für Herrn Loeven zweifelsohne "zynisch" anmutende Erklärungen. Beispielsweise über die ihm "unbegreiflich(e) ... unheilige Allianz von "Antiimps", Nationalrevolutionären, Islamisten und Antisemiten, die man auf manchen Demonstrationen besichtigen kann."
Beispielsweise auf Demonstrationen die (mit)veranstaltet werden von denen, die Loeven zu verteidigen angetreten ist. Weiterhin beabsichtigt der Autor in der für ihn typischen Art und Weise seine Scheuklappen auf zu ziehen und "simplere Weltformeln" auf zu zeigen als die, die Helmut Loeven benötigt, um seine unzureichende Kenntnis der Dialektik von Antisemitismus, Antizionismus und Antiamerikanismus zu verschleiern.
Der Autor ist ganz zweifelsohne zu den "missratenen Kindsköpfe(n) und "Dumme(n) Jungen(s)" zu zählen.
Deshalb ist er auch darauf angewiesen sich auf begabtere Kritiker als er selbst einer ist zu berufen.
Außerdem möchte er "ausprobieren, wie weit (er) es mit (seiner) Dummfrechheit treiben (kann), ohne sich Maulschellen einzufangen. "
" Linken Antisemitismus" - kann es das überhaupt geben?. Nein. Kann es nicht.Es gibt keinen linken Antisemitismus. Es gab ihn nie und wird ihn auch nie geben. Weil es ihn nicht geben kann. Antisemitismus ist immer rechts. Das ist nähmlich Definitionssache." ... "Was es allerdings geben kann, ist Antisemitismus unter Linken, präziser: unter sich als links Deklarierenden, so wie es etwa auch einen Wolf im Schafspelz geben kann."
So weit, so richtig. Nun kann man aus dieser Erkenntnis allerdings unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen. Da wäre die, sagen wir sozialarbeiterische, Variante des Herrn Loeven, der "in den linken Organisationen über Antisemitismus ... reden (will) um "Versäumnisse von Jahrzehnten aufzuarbeiten ...". und sich dabei gewiss ist "Wer uns da keinen Schritt weiterbringt." Man kann aber auch den "Antisemitismus unter Linken, präziser, unter sich als links Deklarierenden" als eben solchen kritisieren. Das es wesentlich die antideutsche Tendenz war und ist, die von diesem Standpunkt aus eine Diskussion unter die hiesige Linke gebracht hat unter Berufung auf Jean Amery u. A., negiert Loeven selbstverständlich. Loevens Intention, denjenigen Marxisten, die bis heute den Nationalsozialismus mit Dimitroff zu erklären versuchen, mit aufklärerischen Mitteln bei zu kommen, sei an dieser Stelle viel Glück gewünscht. Funktionieren kann das aber nur, wenn man begreift, daß der Antizionismus nicht mehr als eine aktuelle Erscheinungsform des Antisemitismus darstellt, (1), das der Antizionismus den strukturellen Antisemitismus der bürgerlichen Gesellschaft reproduziert.
Dieser Zusammenhang verbindet die "unheilige Allianz von Nationalrevolutionären, Islamisten und Antisemiten" und nicht etwa wie Loeven vermutet, das (der Begriff) Antiimperialismus zu Antiimp zusammenschrumpft. (sei).
Und deshalb ziehen "Manche Leute ...eine simple Konsequenz: Weil Holocaust darum Israel. Punkt" Allerdings.
In einer nationalstaatlich konstituierten Welt blieb den Überlebenden des Holocaust keine andere vernünftige Wahl als die Durchsetzung eines eigenen, vor allem wehrhaften, Staates. Und wenn Loeven und seine friedensbewegten Freunde an Israel Sharon kritisieren, kritisieren sie eben diese Wehrhaftigkeit des Staates Israel, ohne die er in einer Umwelt von Staaten, die ihn zerstört sehen wollen, keine Voraussetzung zur Existenz hätte.
"Blicken wir auf die Zeit seit 1945 zurück: Kein Feind der USA war je so brutal, so skrupellos und so gefährlich wie es die USA selbst sind, deren Politik eine Blutspur durch die Zeitgeschichte zieht. Was zählen da schon die eingestürzten Türme des World Trade Center und die unter ihnen begrabenen 3000 Menschen.
Blicken wir in die Gegenwart: Das, was die USA gegenwärtig in der Weltpolitik aufführen, müsste natürlicherweise einen Aufschrei nach sich ziehen, mit dem verglichen die verhaltene Skepsis ein leises säuseln wäre.
Verhaltene Skepsis, leises Säuseln. Dieser Mann lebt als Eremit. Sonst hätte er mitbekommen können, wie Schröder und Fischer gegen "(d)as, was die USA gegenwärtig in der Weltpolitik aufführen" säuseln. Wie die Antiglobalisierungsbewegung, vor der das jüdische Viertel von Rom während einer Demonstration von der Polizei geschützt werden musste, wie in Pjöngjang und Tripolis ein "Aufschrei" erklingt.
Wer aber den Deutschen und ihren Verbündeten gegen die USA ernsthaft pazifistische Motive unterstellt, sei an die Rolle Deutschlands im Jugoslawienkrieg erinnert. Der aktuelle Friedenswille dokumentiert nichts anderes als den Wunsch, den nächsten Krieg allein führen zu wollen.
Eine Weltordnung zu etablieren, in der das deutsch geführte Europa dafür nicht mehr die Unterstützung oder Zustimmung der USA braucht.
Aber, man ist ja schließlich nicht antiamerikanisch, oder nur da wo es unbedingt sein muss, die USA bieten dem deutschen Linken auch etwas:
"Zum besten, was die amerikanische Kultur in den letzten Jahrzehnten geleistet hat, gehören das Zerfetzen der Nationalhymne durch Jimi Hendrix beim Woodstock - Festival, die frühen Texte von Zappa und Filme wie Taxi - Driver und Apokalypse Now, also lauter so Sachen, die in einer bestimmten linken Presse als Antiamerikanismus bezeichnet würden."
Nun scheint Herr Loeven ein exellenter Kenner "einer bestimmten linken Presse" zu sein, woher er allerdings die Auffassung nimmt, diese wende sich mit dem Vorwurf des Antiamerikanismus gegen die in seinem Zitat genannten Musiker und Schauspieler bleibt sein Geheimnis.
Vielmehr verhält es sich so, dass die USA, eben weil aus ihnen ein Hendrix, ein Zappa, ein de Niro und ein Brando und kein Rühmann entspringen konnten, gegen die hiesigen kulturellen Anmutungen zu Verteidigen sind. Damit nur bloß kein Zweifel aufkommt, Loeven kriegt den Dreh schon wieder: "Wer sich an die Formierte Gesellschaft der 50er und 60er Jahre noch erinnern kann, der argwöhnt wohl mit Recht, dass dieses Land nicht durch zuviel Antiamerikanismus, sondern durch zuviel Proamerikanismus zu schanden werden konnte."
Da formieren die Amis frecher weise die deutsche Nachkriegsnazigesellschaft und machen sie damit zu Schanden. Wo es doch gerade vor Demokraten und Kommunisten nur so wimmelte, die mit den Kriegsverbrechern abrechnen wollten, die die Bedingung zur Möglichkeit einer Wiederholung von Auschwitz aufheben wollten - und dann - dieser entsetzliche Proamerikanismus. Wer so denkt, dem ist nicht zu helfen. Nicht einmal von

Harry Bairfor, Inquisitor und Simplifizierer der Antifa Duisburg

Alle Zitate aus: "Chauvinisten im Stimmbruch", von Helmut Loeven, Trend online, Januar 2003 (1) Poliakov, Leon in: Vom Antizionismus zum Antisemitismus, Freiburg 1992, S. 151