Kalkül und Wahn, Vertrauen und Gewalt
Vor dem Ausnahmezustand des Kapitals

Joachim Bruhn (ISF Freiburg)
Vortrag und Diskussion

Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Gleichwohl: Die Gesellschaft der totalen Konkurrenz ist in heller Panik, sie wird sich zersetzen und zerstören. Unmöglich noch kann sie die Bedingung der Möglichkeit ihrer eigenen Existenz aus sich selbst heraus reproduzieren: der vollendet autistische Selbstbezug des Kapitals, die losgelassene Akkumulation um der Akkumulation willen, die “Plusmacherei” (Marx) rutscht ins historische Minus, zerbricht an sich und eben daran, daß die Gesellschaftlichkeit der Individuen als Subjekte bloß auf dem
generalisierten Ausschluß aller durch alle gründet, der, eben in den Formen von Wert, Geld, Kapital den totalen Einschluß stiftet, d.h.: die gesellschaftliche Synthesis als vollendet negative. Das ist gewiß paradox: die unbedingte gesellschaftliche Einheit in der Form des totalisierten Atomismus; ein Paradox jedoch, das im Geld dingliche Gewalt annimmt und als “logisches Rätsel” (FAZ) erscheint. In der Panik wird sich die falsche Gesellschaft ihres eigenen Widersinns inne, allerdings in einer nur noch verrückteren Form, einer Form, die das bankrotte Kalkül der Ökonomie vermittels des Wahns der Politik zu therapieren verspricht, tatsächlich zu überbieten sucht: der Form eines paranoiden Souveräns, der den Triumph des Willens über den kapitalen Sachzwang beschwört und so gerade die Angst vor dem Chaos schürt, darin die Flucht nach vorn anpeitscht und so auf den autoritären Staat provoziert, auf den Ausnahmezustand, d.h. auf die ursprünglich faschistische Situation: denn nichts anderes ist der “Preis des Marktes” als das politisch, vermittels des Gewaltmonopols auf Leben und Tod erzwungene Opfer der Individuen.

Joachim Bruhn (Initiative Sozialistisches Forum, Freiburg) hat zuletzt mit Jan Gerber das Buch “Rote Armee Fiktion” herausgegeben (ça ira: 2007), demnächst erscheint von ihm “Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation” (ça ira: Winter 2008).

Eine Veranstaltung der Antifa3D

Mittwoch 22. April 2009, 20.00 Uhr, Eintritt frei
Cafe Steinbruch, Lotharstr. 315, Duisburg Neudorf, www.cafe-steinbruch.com